Von der Karrierefrau zur Hausfrau oder auch: wenn sich mit Kind die Ziele verschieben

von Bossilienchen
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Von der Karrierefrau zur Hausfrau

Damals zu meiner Schulzeit hatte ich vorallem ein Ziel: Abitur machen und beruflich erfolgreich sein. Und dafür tat ich einiges. Ich habe Zusatzkurse belegt, um mir für mein späteres Leben alle möglichen Türen zu öffnen, habe Extraarbeiten abgegeben, häufig gebüffelt, bis der Arzt (fast) kam und verdammt viele Tränen vergossen. Aber ich habe es geschafft, habe meine Ziele erreicht. Erst kam das Abi, dann der Beruf und schließlich die Weiterbildungen.

Als ich Jahre später schwanger wurde, war ich beruflich zwar noch nicht ganz da, wo ich immer hinwollte, aber ich hatte mir immerhin einen Namen gemacht und darauf war ich verdammt stolz. Für mich war klar, sobald mein Kind in den Kindergarten kommt, würde es für mich weitergehen. Je näher wir dem Ende der Elternzeit rückten, desto mehr stellte ich aber fest, dass ich das gar nicht mehr wollte. Meine Ziele hatten sich verschoben. Mir ist es nicht mehr wichtig, Erfolg im Job zu haben, das große Geld zu verdienen und mir einen gewissen materiellen Luxus leisten zu können. Erfolg definiere ich heute nicht mehr über berufliche Position oder mein Bankkonto, sondern übers glücklich sein. Und dieses Glück finde ich nicht in 10 Stunden Arbeit in irgendeinem Betrieb, sondern in meiner Familie.

Familie

Diese Erkenntnis war eine ganz schöne Überraschung, das kann ich euch sagen! Denn hätte man mein Schul-Ich damals gefragt, was ich von einem Leben als Hausfrau und Mutter für mich halte, hätte ich nicht viel Gutes zu sagen gehabt. Für mich war immer klar, dass ich mir nicht die Nächte um die Ohren haue, um Chemie endlich in meinen Kopf zu kriegen, nur, um dann am Ende Zuhause und hinterm Herd zu enden. Das war für mich ausgeschlossen. Nicht, weil ich kochen und backen doof fand, im Gegenteil, das mochte ich sogar sehr gerne, sondern einfach, weil all die harte Arbeit dann sinnlos gewesen wäre. Und das war gut so. Es war gut, dass ich mich nicht beirren ließ. Es war gut, dass ich ein Ziel hatte und mich mit nichts weniger als dem Erreichen dieses Ziels zufrieden gegeben hätte.

Ich habe aus dieser Zeit nämlich wahnsinnig viel mitgenommen. Ich habe damals gelernt für mich und meine Zukunft zu kämpfen, ich habe gelernt, dass jeder mal klein anfängt und was es heißt, im Team zu arbeiten und ich habe gelernt, wie gut es tut, Anerkennung und Bestätigung zu bekommen. Ich habe diese Zeit geliebt. So richtig. Die Arbeit war mein Leben und ich hatte nie das Gefühl, es würde irgendwas fehlen. Je mehr Zeit ich mit Kind und Familie verbrachte, desto klarer wurde mir jedoch, dass diese Zeit nicht mehr meine Zeit war. Plötzlich war es scheißegal, wie viele Stunden ich damals beschissene Formeln gebüffelt und wie viele Tränen ich aus Frust vergossen hatte. Eine gute Stellung war kein Ziel mehr, sondern Vergangenheit. Geld muss ich natürlich trotzdem verdienen, klar, aber es ist mir ist inzwischen total schnurz, womit ich es verdiene und was ich mir von meinem Gehalt alles leisten kann.

Hausarbeit

Nie hätte ich gedacht, dass ich meine Erfüllung und mein Glück darin finde, mir für meinen Sohn die Nächte um die Ohren zu schlagen und mindestens dreimal am Tag in der Küche zu stehen und Essen zuzubereiten, aber so ist es. Ich liebe es, zu kochen und zu hören, wie lecker es schmeckt. Und ich liebe es, für meinen spät nach Hause kommenden Mann nochmal in die Küche zu gehen und etwas zu essen zu machen. Dass ich im Dienste meiner Familie aufblühe und keinen Gedanken mehr an Karriere verschwende, werden viele vielleicht als eine Art Rückschritt sehen und ich kann diese Meinung verstehen, denn vor nicht allzu langer Zeit hatte ich ähnliche Gedanken, aber heute finde ich es wirklich toll. Es macht mich glücklich, meine Männer zu bekochen, ihnen ihren Scheiß hinterherzutragen (okay, das nicht unbedingt immer!), kochlöffelschwingend auf den Tisch zu hauen und zu sehen, dass ohne mich unser Familienschiff zwar nicht sinkt, aber doch nicht alles so glatt läuft, wie es meine Männer gewohnt sind. So bilderbuchmäßig, wie das jetzt alles kling, ist es allerdings doch nicht. Wie ihr bald feststellen werdet, gibt es auch in meinem jetzigen Leben gute und schlechte Tage, Dinge, die mich gewaltig ankotzen und auch mal Zweifel. Aber das ist okay. Das Leben ist schließlich keine rosarote Zuckerwattewolke, sondern ein Weg, der auch mal steinig und kurvenreich ist. Aber aus Steinen kann man Schönes bauen, pflegte mein Vater immer zu sagen und durch Umwege sieht man Dinge, die man auf kürzester Strecker mit großer Wahrscheinlichkeit verpasst hätte.

Manchmal denkt man eben, man wäre glücklich und dann kommt etwas, das dich noch glücklicher macht …

 

 

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